in gunthas kopf

beobachtungen

so einfach kann's gehen...

ein gewisser dirk kleemann aus berlin wendete sich am 6. januar über www.abgeordnetenwatch.de an den bundestagsabgeordneten ströbele (grüne), um die schirmherrschaft von familienministerin von der leyen (cdu) für ein christiliches festival in bremen zu kritisieren. hintergrund war ein seminar mit dem thema "homosexualität verstehen - chance zur veränderung", welches auf dem christival angeboten wurde, um "menschen, die ihre homosexuellen impulse als unvereinbar mit ihren wünschen, überzeugungen und lebenszielen erfahren" einen selbstbestimmten weg aufzuzeigen, der "zu einer abnahme homosexuelle empfindungen führen" solle. geleitet werden sollte dieses seminar von dr. christl ruth vonholdt, einer ärztin für kinder- und jugendmedizin und leiterin des deutschen instituts für jugend und gesellschaft (dijg) des vereins offensive junger christen (ojc).

doch es wurde abgesagt - und "schuld" ist dirk kleemann aus berlin! ströbele, einer der fleißigsten schreiber auf abgeordnetenwatch.de, antwortete auf kleemanns anfrage gleich am nächsten tag und versicherte ihm, sich der sache anzunehmen. am 8. januar dann die ergänzung, dass volker beck (grüne) in einer presseerklärung die familienministerin dazu aufgefordert habe, eine absage des seminars durchzusetzen oder ihre schirmherrschaft aufzugeben. ob frau von der leyen nun eingegriffen hat oder nicht, fakt ist, dass das christival dann am 9. januar in einer presseerklärung den verzicht von frau dr. vonholdt zur durchführen der veranstaltung bekannt gab. herr kleemann musste also nur dreimal schlafen gehen, um den erfolg seiner politischen aktivität bewundern zu können!

so einfach kann's gehen, wenn man was erreichen will und dabei von fleißigen politikern unterstützt wird. ob der verein offensive junger christen und frau. dr vonholdt nun pseudowissenschaftlich arbeiten oder gar verblendet christliche thesen zum thema homosexualität aufstellen, sei an dieser stelle mal zweitrangig. viel interessanter ist doch die tatsache, dass sich die politik aus der bevölkerung heraus aktivieren lässt! es gibt politiker, die zuhören und sich dann auch für die bürger einsetzen - nicht nur in zeiten des wahlkampfes. hans-christian ströbele von den grünen ist ein solcher politiker, was schnell deutlich wird, wenn man sich seine seite auf abgeordnetenwatch.de anschaut. und das ist eine, wie ich finde, zumindest zeitweise beruhigende erkenntnis. schade nur, dass herr kleemann dann mit keinem weiteren wort in der sich anschließenden öffentlichen diskussion erwähnt wurde, denn so hätte man zeigen können, wie bürgernahe politik wirklich aussehen kann, wenn nicht nur darüber geredet wird.

links zum thema:

 

27.1.08 12:18


ein vorschlag an sie, herr sarkozy!

in den vororten von paris ist es infolge des unfalltodes zweier jugendlicher zu einer neuen welle der gewalt gekommen. nach den unruhe im november 2005 liefern sich einwohner der banlieues wieder straßenschlachten mit der polizei, wieder brennen autos und gebäude und wieder richtet sich die aggression gegen die symbole des französischen staates und damit gegen diesen selbst.
ob nun alle der größtenteils jugendlichen gewalttäter ihre gründe für solch eine emotionale reaktion benennen können oder ob sie einfach nur die gelegenheit nutzen, um mal "auf den putz zu hauen", ist sicherlich eine wichtige frage, doch gründe (auch wenn sie zunächst nur gefühlt sind) gibt es allemal: nicht erst seit einigen tagen wissen wir um die situation in den von einwanderern geprägten vorstädten frankreichs: die große arbeitslosigkeit und die damit verbundene armut sowie der gefühlte rückzug des staates und die damit verbundene perspektivlosigkeit, also das gefühl, mit existentiellen problemen allein gelassen zu werden, kann verständlich machen, warum menschen so einen zorn entwickeln - insbesondere, wenn man daran denkt, dass auch friedliche demonstrationen, z.b. der "marche des beurs" 1983 von marseille nach paris, zwar beachtung gefunden, die situation aber kaum verändert haben.
wo die zweite generation der französischen einwanderer noch die hoffnung auf einen dialog gehabt haben mag, da macht sich heute in der dritten generation eine tiefe hoffnungslosigkeit breit. nach den unruhen vor zwei jahren habe sich nichts geändert, heißt es überall. die gemachten versprechen zur lösung der probleme seien nicht eingehalten worden. (für eine differenzierung im zusammenhang mit der frage, was die probleme wirklich sind und eine überlegte kritik der öffentlichen wahrnehmung dieser probleme sei auf den folgenden artikel hingewiesen: "was tun, wenn die sprache nicht mehr stimmt").

es ist vorallem frankreichs präsident sarkozy, auf den sich die hoffnungslosigkeit richtet: schon in seiner zeit als innenminister während der krawalle 2005 hatte er den hass der randalierenden jugendlichen auf sich gezogen, indem er sie als "gesindel" bezeichnet hat und der meinung war, die probleme (für ihn dann hauptsächlich die kriminalität) "mit dem hochdruckreiniger" beseitigen zu müssen.
wenn er tatsächlich an einer lösung interessiert gewesen wäre, dann war das äußerst unklug von ihm und könnte nur noch als emotionaler ausbruch verstanden werden. auch ein französicher innenminister ist nur ein mensch, einer, der in einer ganz anderen umgebung aufgewachsen ist und sein eigenes weltbild entwickelt hat, doch auch einer, von dem man eben in seiner funktion, zu deren ausübung ihn niemand gezwungen hat, viel mehr erwartet. jemand, der den staat repräsentiert, darf sich nicht nur auf sein eigenes weltbild berufen, sondern muss den versuch unternehmen, andere gedanken zu verstehen und unterschiedliche ansichten durch dialog miteinandern zu vereinen.

jetzt ist sarkozy präsident und damit eines der großen symbole des staates, auf den der hass gerichtet ist. angenommen, er würde die aktuelle situation wirklich als eines der drängensten problem der gesellschaft, die er regiert und die er schützen soll, verstehen: was könnte er tun, wo es doch fast aussichtslos erscheint, dass die "andere seite" seinen worten zumindest die absicht der wahrhaftigkeit beimessen werden. er kann sagen, was er will: wenn die gewaltbereiten jugendlichen die möglichkeit hätten, ihm den kopf abzuschlagen und die allgemeine stimmung einem solchen vorhaben "förderlich" ist, würden sie es wohl tun.

wie reagiert man also, wenn man mit worten nichts mehr erreichen kann, den hochdruckreiniger aber auch nicht einsetzen will. nun, die große stärke oder möglichkeit der politik ist es doch (aufgrund der enormen öffentlichen aufmerksamkeit, die ihr tagtäglich und verständlicherweise in den nachrichten zuteil wird) zeichen zu setzen! anstatt vor dem ehrenmal des jüdischen ghettos in warschau eine rede zu halten, ging willy brandt 1970 in die knie und hat damit die möglichkeit eröffnet, den bundesdeutschen diskurs um die ostpolitik später abschließen zu können, welcher durch worte allein wohl sehr viel schwieriger zu einem abschluss hätte gebracht werden können. doch solche zeichen erfordern mut und damit die bereitschaft, das risiko des fehlschlags einzugehen. ohne diese beiden komponenten wird ein zeichen nicht als starkes zeichen wahrgenommen!

was für ein zeichen könnte also zumindest eine atmosphärische verbesserung der situation in frankreich herbeiführen? präsident sarkozy hat gestern die familien der beiden verunglückten jugendlichen im elysee-palast empfangen, was sicher auch ein zeichen ist, aber eben keines, welches mut und risikobereitschaft erfordert und deshalb schon morgen vergessen sein wird.
nein, sarkozy könnte doch folgendes machen: der elysee-palast ist doch ein so großes gebäude, dass viel mehr betroffene eingeladen werden könnten und es würde wirklich von mut zeugen, wenn er eine allgemeine einladung explizit an die randalierenden jugendlichen richten würde, um sich mit dem hass auseinanderzusetzten und sich ihm auch auszusetzen!
natürlich kann man fragen, ob man es in einem solchen szenario ausschließen kann, dass der elysee-palast binnen sekunden in flammen stehen würde. aber dem kann man durch die art der einladung auch verbeugen:

"ich weiß, dass ihr mich hasst, und vielleicht habe ich auch umgekehrt den eindruck erweckt, dass ich euch hasse. ja, ich bin auch nur ein mensch, und menschen können wütend sein und sich von diesem gefühl zu allerlei hinreißen lassen, ob zum äußern von beleidigungen oder zum ausüben von gewalt. ihr alle und ich - wir(!) - haben mit unseren vergangenen taten ja sicherlich ein ziel verfolgt: ich wollte, dass endlich ruhe einkehrt und ihr wolltet, dass man euch anhört und sich um eure probleme kümmert - nicht nur mit worten, sondern vorallem mit taten! ich denke - und glaube, dass ihr mir zustimmen könnt -, dass sich beide ziele nicht ausschließen, sondern einander brauchen! lasst uns gemeinsam schauen, wie wir das hinkriegen können, denn es muss gehen! deshalb lade ich euch ein, morgen zu mir in den elysee-palast zu kommen, als meine gäste in mein haus, welches aber auch euer haus, das haus des französischen volkes, ist.
meine berater haben mir gesagt, eine solche einladung wäre zu gefährlich, da ihr eure berechtigte wut nicht kontrollieren könnt. aber ich lasse mir nichts einreden! ich glaube,
dass ihr das könnt! ich erwarte nicht, dass ihr nicht wütend sein werdet, dafür ist einfach zu viel geschehen. ihr dürft wütend sein! was aber jeder gastgeber erwarten kann, ist, dass seine gastfreundschaft gewürdigt und keine schande über sein haus gebracht wird, so wie jeder gast erwarten kann, dass man ihn mit respekt und würde behandelt.
mein haus ist euer haus! jeder, der sich angesprochen fühlt, kann kommen, und gemeinsam werden wir der welt zeigen, dass wir uns heftig streiten können - aber für eine gemeinsame sache, für die chance, aus dem leben das beste zu machen."


also herr sarkozy, seien sie mutig! auch auf die gefahr hin, dass sich der hass unkontrolliert bahn brechen wird, wenn sie gäste empfangen, die ihnen nicht wohl gesonnen sind. (sie werden sicherlich einen fluchtweg präparieren können, um ihr leben im denkbar schlechtesten fall zu schützen). aber stellen sie sich doch nur mal folgendes bild vor, das zeigt, wie bedeutend ein solches vorhaben sein könnte: sie ganz allein auf einem podium in einem großen saal im elysee-palast, und vor ihnen die - wenn sie ihre herzen erreichen können - mit dem staat versöhnten randalierer. ein solches bild würde sich in die geschichtsbücher und vorallem in den köpfe der menschen einbrennen!
von da an könnten worte wieder etwas bewegen, weil man ihnen dann wieder vertrauen könnte, weil auch sie darauf vertraut hätten, dass ihr schöner palast nicht in schutt und asche gelegt wird. ohne den mut, zu vertrauen, ist echte versöhung nicht möglich. in diesem sinne: setzten sie ein zeichen des vertrauens, so dass sich ihnen und ihrem volk neue möglichkeiten eröffnen können! sie werden es nicht bereuen, da bin ich mir sicher.
29.11.07 12:19


world press photos 2007

hier auf meiner seite sind ja schon die gewinner der world press photo 2006 zu sehen, nun gibt es auch die 2007er-edition unter folgendem link:

world press photo 2007

in berlin wird die dazugehörige ausstellung vom 1. bis zum 24. juni im willy-brandt-haus sein. wer sich noch ein wenig mehr für die hintergründe zum siegerfoto, welches während des libanonkrieges entstand, interessiert, der kann sich ja zusätzlich noch den folgenden spiegelartikel durchlesen, in dem die vermeintliche und die wirkliche entstehungsgeschichte dargestellt werden. da kann man mal sehen, wie manipulativ fotos wirken können, auch wenn es hier wahrscheinlich nicht absicht war:

spiegel artikel: "das hier ist der libanon, wir laufen hier immer so herum"

19.3.07 22:50


world press photos 2006

im september wurden die gewinner 2006 in den potsdamer platz arkaden ausgestellt. das war eine ziemlich interessante angelegenheit, nicht nur der bilder wegen, sondern auch aufgrund der art und weise, wie sich die leute - mit eis in der linken und h&m-tüte in der rechten hand - die bilder angeschaut haben: sehr bedächtigt und nachdenklich - trotz der atmosphäre eines konsumtempels.

nun habe ich die fotos auf der offiziellen website entdeckt und will den link hier posten... vielleicht interessiert's ja den einen oder anderen:

world press photos 2006

26.12.06 20:05


"wir haben 30 jahre verloren"

bei google bin ich heute auf ein interview mit einem gewissen dennis l. meadows gestoßen, welches am letzten tag des jahres 2003 in der zeit erschienen ist. meadows ist der leiter des instituts für politik und sozialwissenschaftliche forschung an der university of new hampshire in den usa. anhand einer rechnergestützten simulation ermittelte meadows in seiner studie "die grenzen des wachstums" (1972) das systemverhalten der erde als wirtschaftsraum im zeitraum bis zum jahr 2100. in besagtem interview blickt er, zusammen mit dem etwas nervigen zeit-redakteur, auf seine studie zurück und warnt mit folgendem satz: "ich hoffe immer das beste – und rechne mit dem schlimmsten"

http://zeus.zeit.de/text/2004/02/Meadows_Interview

30.10.06 20:58


politikpause in den medien

wie wäre es, wenn politische themen (oder vorallem die politiker) für eine gewisse zeit aus den medien verbannt würden? vielleicht funktioniert sowas: einmal im monat wird ein politisches wochenende veranstaltet, an dem die generalsekretäre ihren mund aufmachen dürfen und die politiker sich bei christiansen & co die klinke in die hand geben können, um ihre politische arbeit öffentlich - so wie es das system der demokratie vorsieht - zu kommunizieren.

was hat man davon? nun: es würde vielleicht helfen, den druck von den politikern zu nehmen. ein kurt beck hätte dann keinen grund, sich gegenüber der cdu profilieren zu müssen - und umgekehrt. die politiker könnten in der politikfreien berichterstattungszeit ganz in ruhe ihrer arbeit nachgehen, während die generalsekretäre die öffentliche präsentation zum monatsende hin ungestört vorbereiten und sich sogar absprechen könnten. ein weiterer vorteil wäre der, dass die zuschauer eine ganz andere art von nachrichten erleben würden: in der politikfreien würden ganz andere - nicht weniger wichtige - themen im vordergrund stehen, so dass das, was in der welt passiert, viel ausführlicher und vorallem zusammenhängender dargestellt werden kann.

gibt es nachteile? sicher. die medien übernehmen im demokratischen system eine wichtige funktion, denn sie sollen die politiker dahingehend "überwachen", dass diese ihre arbeit auch richtig und vorallem demokratisch machen. doch hat sich dieses verständnis im laufe der zeit gewandelt: die medien sind nicht mehr objektive beobachter des geschehens, sondern in ihrer sensationsgier zu einem gestaltenden bestandteil der politik geworden. sie stellen DIE bühne für das politische geplänkel der großen koalition zur verfügung, ohne dabei selbst politische verantwortung zu übernehmen. warum sagt man in den chefredaktionen nicht folgendes: wir werden jetzt KEINE interviews mit kurt beck drucken, wir werden jetzt NICHT die unions-ministerpräsidenten zu wort kommen lassen, weil auch WIR ein interesse an einer vernünftigen regierungsarbeit haben und wollen, dass sich endlich was bewegt!

eine selbstzensur ist wohl nicht möglich, denn derjenige, der kurt beck doch zu wort kommen lässt, sieht sich im medialen wettbewerb klar im vorteil. es muss also ein system geschaffen werden, welches den druck von den politikern nimmt und dabei die kontrollfunktion der medien in der demokratie erhält. wie das genau funktionieren kann, wie man verhindern kann, dass politiker über dritte "heimlich" ihre mienen in der öffentlichkeit zum eigenen vorteil (und nicht zum vorteil des landes) platzieren, das muss ganz genau überlegt werden. vielleicht ist es sogar nicht möglich, doch man sollte diesen gedanken einmal ganz ausbauen, um zu schauen, wo genau die hindernisse liegen, so dass man doch etwas verändern kann. so wie es jetzt ist, kann es jedenfalls auf dauer nicht weiter gehen.

9.10.06 09:18


optische tšuschung

das hab ich grad auf youtube gefunden und es mir angesehen. die technomusik im hintergrund kann man ruhig abdrehen, aber der effekt am ende ist zu krass. man schaut vom bildschirm weg... und die welt ist eine ganz andere, eine aus den fugen geratene. bin immer noch ein wenig benebelt. unglaublich. ihr müsst auf jedenfall ein wenig näher an den bildschirm heran!
 
25.9.06 00:17


das system richtiger benutzen, eine neue sprache etablieren

auf der einen seite tun die politiker erschrocken über den einzug der npd in den landtag meckpoms, auf der anderen kriegen sie ihren arsch nicht hoch. was gab es nicht alles für krampf-gesetzesvorhaben in den letzten jahren: föderalismusreform, zuwanderungsgesetz, und nun die gesundheitsreform. man hat geglaubt, dass gerade eine große koalition zu richtigen veränderungen in der lage wäre, doch genau das gegenteil scheint der fall zu sein. die großen probleme der demokratie haben große auswirkungen auf die großen parteien. die politiker fühlen sich auf schritt und tritt von den medien beobachtet und müssen schon drei jahre vor der nächsten bundestagswahl auf diese schielen, um am ende nicht als "verlierer" dastehenen zu müssen. doch die eigentlichen verlierer... die sind ja wir! nicht die!

man kann das jetzt als schwäche des systems verstehen, und diesen ansatz hab ich auch schon des öfteren verfolgt, doch mittlerweile ist mir noch ein anderer gedanke gekommen: es kann auch einfach an der unfähigkeit der politiker liegen das system richtig zu benutzen, undzwar für die menschen. warum wird nach unterzeichnung des koalitionsvertrages nicht sofort eine arbeitsgruppe gegründet, die sich jeden tag ein jahr lang nur mit der gesundheitsreform beschäftigt. acht stunden am tag, richtige arbeit! vielleicht gibt es eine solche arbeitsgruppe schon? aber warum bekommt man davon nichts mit? warum verzichten die verantwortlichen darauf, zu zeigen, wie sie arbeiten (wenn sie denn arbeiten) und führen uns nur ihre repräsentationsfiguren vor? was bringt es, wenn kurt beck sagt, dass an der gesundheitsreform weiter gearbeitet wird, "schnell, aber ohne hast". mein gott. es interessiert niemanden mehr! die leute sind doch nicht sooo blöd, sie kennen doch mittlerweile die einträge im duden der politischen sprache, sie kennen das abc der politiker. und trotzdem hält man an dieser art zu sprechen und mit dem volk (oder vielleicht nur den medien) zu kommunizieren fest. und das macht sich auch die npd zu nutze, wenn sie in berlin die journalisten zur "pk" lädt. sie benutzt einfach die selbe sprache, wie sie die demokratischen politiker benutzen, und verwischt so den unterschied. wenn sie schlau wären, würden sie die sprache einfach bloßstellen und eine parodie auf den ganzen zirkus veranstalten. aber zu einer guten parodie sind die holzköpfe zum glück nicht fähig. dafür sind sie (noch) zu dumm.

fazit: die politiker sollten sich ernsthaft über ihren sprachgebrauch gedanken machen, darüber, wie ihre arbeit durch die sprache an das volk kommuniziert wird. sie sollten wissen, dass die leute immer besser hinter ihre fassade schauen können, dass "schnell, aber ohne hast" einfach bedeutet: "wir haben so eine angst, das wir unsere posten verlieren, dass wir uns lieber erstmal ausruhen und jeden schritt in ruhe kalkulieren". und genau dieses kalkulieren, das kann man vorher machen, in den arbeitsgruppen, in denen einfach mal richtig gearbeitet wird. und dann hat man auch die möglichkeit, das ergebnis richtig zu kommunizieren: entstanden aus richtiger arbeit, und nicht aus kalkül.

 

23.9.06 10:30


konfrontation

das macht wirklich angst... und... verliert einer der polizisten seine waffe auf dem bürgersteig, als sie den nazi überwältigen wollen? zu krass!

http://www.spiegel.de/videoplayer/0,6298,13282,00.html

"Wismar, Mitte August: Eine Demonstration gegen Nazis zieht an einem Laden vorbei, der zur rechtsextremen Szene gehört. Die Situation eskaliert: Die Kurzhaarigen holen Baseball- Schläger hervor. Und die Polizisten greifen zu ihrer Dienstwaffe. Eine Szene aus dem Landtagswahlkampf in Mecklenburg- Vorpommern." spiegel-online

21.9.06 19:22


rede von ahmadinedschad vor der un-vollversammlung und die illusions des wissens

das ist bezeichnend für die heutigen medien, dass kein einziger deutscher sender (außer euronews) die rede von ahmadinedschad live übertragen hat. auf ard und zdf kommen die filme der nacht und beim internetportal spiegel-online liegen die redakteure schon längst im bett, als dass sie ihre website aktuallsieren. die fernsehsender strukturieren ihr programm zu einem themenabend für kürzlich verstorbene schauspieler um, aber von der politik und der gestaltung der welt, von der sie tagsüber und bei christiansen so viel sprechen, ist zu einem aktuellen anlass nichts zu sehen.


auf der einen seite bringt man ein special zur präsidentschaftswahl in den usa oder zur oscarverleihung, auf der anderen seite verzichtet man auf ausführliche übertragungen von aktuellen politischen ereignissen. es muss doch ausführlicher informiert werden, will man dem anspruch einer politischen bildung der bevölkerung gerecht werden! man sieht ja schon an den ereignissen nach der umstrittenen past-rede in der uni regensburg, was passiert, wenn leute nur aus dem kontext herausgerissene information erhalten.

und so funktioniert der ganze meinungsbildungsprozess in unserer heutigen zeit. es wird nicht das wissen zur verfügung gestellt, was man benötigt, um wirklich wissen zu können. es ist nur eine illusions, dieses wissen, das wir glauben, zu besitzen. wir konstruieren uns ein stimmiges bild aus dem kläglich vorhandenem zusammen, um die welt verstehen zu können. doch wir glauben nur, zu verstehen.

was immer ahmadenidschad bei der un gesagt hat, ob man dem zustimmt oder nicht: wenigstens wissen sollten wir, was er gesagt hat. wir sollten die ganze rede gehört haben und erst dann deren inhalt mit anderen inhalten aus ganz-gehörtem in verbindung setzten. dann ist man echtem wissen schon viel näher.

 

20.9.06 02:29


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