in gunthas kopf

singer-songwriter II

eigentlich wollte ich schon die ganze zeit einen artikel darüber schreiben, wie oberflächlich es in den politischen talkshows zugeht, wenn über die probleme der globalisierung gesprochen wird. ständig hört man sowas wie "ja, das ist schlimm, nokia sollte sich was schämen, aber wir leben halt im zeitalter der globalisierung und da können wir als einzelnes land nichts gegen ausrichten". hallo? internationale politik erfordert zwar viel geschick und erscheint uns oft als zu langsam, doch ist das kein grund, den kopf in den sand zu stecken und zu jammern: "ja, so ist das halt, damit müssen wir uns abfinden".

nun, ich wollte was darüber schreiben, habe es dann aber doch nicht getan. manche dinge laufen einfach so offensichtlich schief, dass ich gelegentlich versucht bin zu denken: "ach, bringt euren scheiß doch allein in ordnung". tolle einstellung? nein, sicher nicht... aber manchmal ist die welt so belastend, dass eine auszeit nur gut tun kann. oder um es mit den worten von mr. burns aus einer episode der simpsons zu sagen, in der er sich an seine aktionäre wendet: "it's true we're loosing money, but there is no reason why we can't just dance and dance the night away!!!! uuuuuahhhh". in diesem sinne (auch, wenn man nicht zu allen liedern tanzen kann):
 



es finden sich in dieser playlist natürlich einige der üblichen verdächtigen wieder, so dass ich zu aimee mann und elliott smith nicht mehr viel sagen will, nur das: sie sind und bleiben einfach die besten! und die hier präsentierten songs sind, bis auf "king of the jailhouse" alles raritäten und nicht so einfach zu finden.



mehr erzählen muss ich aber unbedingt zu antony and the johnsons: es handelt sich hierbei eigentlich nur um eine person, antony hegarty, der aber meistens mit den selben musikern im studio sitzt und auf tour geht. das besondere an ihm: seine stimme! ich glaube, es gibt auf der ganzen welt kaum einen mann, der so eine eindringliche soul-stimme hat. dabei weiß man im ersten moment gar nicht wirklich, ob es sich bei antony um eine frau oder einen mann handelt. er spricht offen über seine homosexualität und in seinen songs schwingt oft das thema transgender mit, doch seine fans haben sich wohl darauf geeinigt, dass es sich bei antony um ein geschlechtsloses wesen handelt, einen engel! und dieses bild passt auch gut zu seiner musik.



auch bei bright eyes handelt es sich eigentlich um einen solo-künstler: conor oberst. seine musik könnte man als folkrock bezeichnen, obwohl auch er oft leise töne anschlägt. was mir bei ihm besonders gefällt, ist die kombination aus seinen texten und der musik, die in mir einfach das gefühl erzogen, mich in einem amerikanischen roadmovie zu befinden - auch wenn ich eigentlich nur im zehnten stock eines berliner plattenbaus diesen text hier schreiben.



ähnlich verhält es sich mit calexico! auch hier kann man von folkrock sprechen, doch klingt er viel ursprünglicher, als das bei bright eyes der fall ist. und oft auch dunkler... mit weniger pop-elementen, dafür mehr mariachi-style. und ein ganz wichtiger unterschied: die hälfte der songs von calexico sind ohne gesang, rein instrumental und können wunderbar als filmmusik verwendet werden - was auch schon passiert ist.



zu guter letzt sind noch zwei künstler zu erwähnen: leona naess auf der einen und michael penn (der mann von aimee mann und bruder von sean penn) auf der anderen seite. beide machen eigentlich ganz gute musik, nur leider nicht immer. leona naess ist oft viel zu seicht und belanglos, michael penn für meinen geschmack manchmal etwas zu verspielt. aber die beiden hier ausgewählten songs können es mit den anderen ganz gut aufnehmen, denke ich.

auf die links zu den einzelnen songtexten habe ich jetzt mal verzichtet, aber ich kann jedem nur empfehlen, bei interesse die texte zu verfolgen! eigentlich sollte man das immer machen, wenn man musik wirklich hören und genießen will.

zum schluss noch der hinweis auf die beiden videos am ende: antony and the johnsons live in poznan/polen. ein genuss! und das nicht nur der musik, sondern auch des ortes wegen. poznan ist wirklich sehr interessant! und der ort, an dem das konzert stattgefunden hat, das schloß, ist das kulturelle zentrum der stadt. hier findet auch jedes jahr im november das offcinema-filmfestival statt... und irgendwie sind die polen bei solchen veranstaltungen viel cooler drauf als andere, denn sie binden es nicht jedem auf die nase, dass sie kultur mögen... nach dem motto: "schaut her wie toll ich bin, ich interessiere mich für film und bin gern unter filmleuten, weil wir alle ja so cool sind". nein, alles ganz easy.

ich wünsche euch viel freude mit der musik und schließe wie folgt: "it's true we have no solutions right now, but there is no reason why we can't just listen the fear away". manchmal funktioniert's sogar!


"for today i am a boy" by antony and the johnsons:


"cripple and the starfish" by antony and the johnson:

 

26.1.08 18:04
 

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