in gunthas kopf

politikpause in den medien

wie wäre es, wenn politische themen (oder vorallem die politiker) für eine gewisse zeit aus den medien verbannt würden? vielleicht funktioniert sowas: einmal im monat wird ein politisches wochenende veranstaltet, an dem die generalsekretäre ihren mund aufmachen dürfen und die politiker sich bei christiansen & co die klinke in die hand geben können, um ihre politische arbeit öffentlich - so wie es das system der demokratie vorsieht - zu kommunizieren.

was hat man davon? nun: es würde vielleicht helfen, den druck von den politikern zu nehmen. ein kurt beck hätte dann keinen grund, sich gegenüber der cdu profilieren zu müssen - und umgekehrt. die politiker könnten in der politikfreien berichterstattungszeit ganz in ruhe ihrer arbeit nachgehen, während die generalsekretäre die öffentliche präsentation zum monatsende hin ungestört vorbereiten und sich sogar absprechen könnten. ein weiterer vorteil wäre der, dass die zuschauer eine ganz andere art von nachrichten erleben würden: in der politikfreien würden ganz andere - nicht weniger wichtige - themen im vordergrund stehen, so dass das, was in der welt passiert, viel ausführlicher und vorallem zusammenhängender dargestellt werden kann.

gibt es nachteile? sicher. die medien übernehmen im demokratischen system eine wichtige funktion, denn sie sollen die politiker dahingehend "überwachen", dass diese ihre arbeit auch richtig und vorallem demokratisch machen. doch hat sich dieses verständnis im laufe der zeit gewandelt: die medien sind nicht mehr objektive beobachter des geschehens, sondern in ihrer sensationsgier zu einem gestaltenden bestandteil der politik geworden. sie stellen DIE bühne für das politische geplänkel der großen koalition zur verfügung, ohne dabei selbst politische verantwortung zu übernehmen. warum sagt man in den chefredaktionen nicht folgendes: wir werden jetzt KEINE interviews mit kurt beck drucken, wir werden jetzt NICHT die unions-ministerpräsidenten zu wort kommen lassen, weil auch WIR ein interesse an einer vernünftigen regierungsarbeit haben und wollen, dass sich endlich was bewegt!

eine selbstzensur ist wohl nicht möglich, denn derjenige, der kurt beck doch zu wort kommen lässt, sieht sich im medialen wettbewerb klar im vorteil. es muss also ein system geschaffen werden, welches den druck von den politikern nimmt und dabei die kontrollfunktion der medien in der demokratie erhält. wie das genau funktionieren kann, wie man verhindern kann, dass politiker über dritte "heimlich" ihre mienen in der öffentlichkeit zum eigenen vorteil (und nicht zum vorteil des landes) platzieren, das muss ganz genau überlegt werden. vielleicht ist es sogar nicht möglich, doch man sollte diesen gedanken einmal ganz ausbauen, um zu schauen, wo genau die hindernisse liegen, so dass man doch etwas verändern kann. so wie es jetzt ist, kann es jedenfalls auf dauer nicht weiter gehen.

9.10.06 09:18


das ungreifbare greifbar machen

"denken sie an den 'dekalog'. man könnte fragen, wie es überhaupt möglich ist, die zehn gebote zu verfilmen und dabei nicht anmaßend zu sein. mehr als jeder andere regisseur, den ich kenne, kann er eine abstrakte idee aufgreifen und gleichzeitig verstehen, dass sie nichts bedeutet, solange sie intelektuell bleibt. doch sobald man sie in kommunikatives verhalten übersetzt, verliert sie alles anmaßende."

so der amerikanische regisseur und produzent sydney pollack in einem interview auf der deutschen dvd zum film "heaven" von tom tykwer. es ist nicht der deutsche erfolgsregisseur tykwer, den pollack in diesem zitat meint (obwohl es durchaus - wie er mit "heaven" zeigt - auch auf jenen zutreffen könnte), sondern der polnische filmemacher krzysztof kieslowski. tykwer hat 2002, mit pollack als produzent, eines der drehbücher aus kieslowskis triologie "himmel, hölle und fegefeuer", die dieser nach seinem tod 1996 nicht mehr selbst drehen konnte, verfilmt.

in diesem zusammenhang steht also das zitat pollacks, welches meiner meinung nach eine tiefe erkenntnis in sich trägt, die nicht nur in anbetracht moralphilosophischer fragen, die "heaven" aufwirft, von bedeutung ist, sondern für die philosophie ganz allgemein gelten könnte: wir können die welt nicht vollständig beschreiben. je mehr wir abstrahieren, desto ungenauer ist unsere beschreibung der welt. und wenn wir nicht abstrahieren, können wir uns nur selbst beschreiben, jeder für sich, ganz subjektiv. doch es gibt eine möglichkeit: das, was hinter den abstrakten ideen steht, muss in kommunikatives verhalten übersetzt werden, in einen zusammenhang gebracht werden.

diese formulierung pollacks hat mich stark an wittgenstein und seine idee der sprachspiele erinnert, die dem verhalten der am kommunikativen prozess involvierten eine große beteiligung bei der bedeutungsbildung zuspricht. was machen filme wie der "dekalog" oder "heaven" anderes, als die abstrakten ideen von der welt in zusammenhang mit dem verhalten der menschen, welche die urheber dieser ideen sind, zu betrachten? filme können das unglaublich gut, viel besser, als ein zwanzigseitiger philosophischer essay es vermag. und auch romane können diese wirkung haben, dass man versteht, ohne das verstandene wirklich in worte fassen zu können.

aber muss man das denn? muss man es, wenn es nicht kommunizierbar IST? vielleicht hat unsere sprache für gewisse konstellationen und gefühle keine angemessene struktur, mit der sie die dinge etikettieren kann, die ein film oder ein buch mit einem schlag einfangen, so dass wir sagen: "ja genau, so ist es, wie krass!".

die meisten leute, die sich im umfeld einer universität bewegen, würden der forderung zustimmen, dass sich die einzelnen fachbereiche stärker interdisziplinär betätigen sollten. aber passiert sowas wirklich? warum beschäftigen sich die philosophen nicht viel mehr mit filmen und büchern, die gewisse dinge einfach viel treffender auf den punkt bringen, als es die "fachliteratur" vermag? und umgekehrt können andere fachbereiche von den fähigkeiten der philosophen zu strukturieren und logisch zu denken profitieren. schaut euch "heaven" an, es ist ein hochphilosophischer film, der einem sehr zum nachdenken anregt und gleichzeitig dieses gefühl in einem erzeugt, dass man versteht, obwohl man es nicht genau erfassen kann.

 

9.10.06 00:12


optische täuschung

das hab ich grad auf youtube gefunden und es mir angesehen. die technomusik im hintergrund kann man ruhig abdrehen, aber der effekt am ende ist zu krass. man schaut vom bildschirm weg... und die welt ist eine ganz andere, eine aus den fugen geratene. bin immer noch ein wenig benebelt. unglaublich. ihr müsst auf jedenfall ein wenig näher an den bildschirm heran!
 
25.9.06 00:17


das system richtiger benutzen, eine neue sprache etablieren

auf der einen seite tun die politiker erschrocken über den einzug der npd in den landtag meckpoms, auf der anderen kriegen sie ihren arsch nicht hoch. was gab es nicht alles für krampf-gesetzesvorhaben in den letzten jahren: föderalismusreform, zuwanderungsgesetz, und nun die gesundheitsreform. man hat geglaubt, dass gerade eine große koalition zu richtigen veränderungen in der lage wäre, doch genau das gegenteil scheint der fall zu sein. die großen probleme der demokratie haben große auswirkungen auf die großen parteien. die politiker fühlen sich auf schritt und tritt von den medien beobachtet und müssen schon drei jahre vor der nächsten bundestagswahl auf diese schielen, um am ende nicht als "verlierer" dastehenen zu müssen. doch die eigentlichen verlierer... die sind ja wir! nicht die!

man kann das jetzt als schwäche des systems verstehen, und diesen ansatz hab ich auch schon des öfteren verfolgt, doch mittlerweile ist mir noch ein anderer gedanke gekommen: es kann auch einfach an der unfähigkeit der politiker liegen das system richtig zu benutzen, undzwar für die menschen. warum wird nach unterzeichnung des koalitionsvertrages nicht sofort eine arbeitsgruppe gegründet, die sich jeden tag ein jahr lang nur mit der gesundheitsreform beschäftigt. acht stunden am tag, richtige arbeit! vielleicht gibt es eine solche arbeitsgruppe schon? aber warum bekommt man davon nichts mit? warum verzichten die verantwortlichen darauf, zu zeigen, wie sie arbeiten (wenn sie denn arbeiten) und führen uns nur ihre repräsentationsfiguren vor? was bringt es, wenn kurt beck sagt, dass an der gesundheitsreform weiter gearbeitet wird, "schnell, aber ohne hast". mein gott. es interessiert niemanden mehr! die leute sind doch nicht sooo blöd, sie kennen doch mittlerweile die einträge im duden der politischen sprache, sie kennen das abc der politiker. und trotzdem hält man an dieser art zu sprechen und mit dem volk (oder vielleicht nur den medien) zu kommunizieren fest. und das macht sich auch die npd zu nutze, wenn sie in berlin die journalisten zur "pk" lädt. sie benutzt einfach die selbe sprache, wie sie die demokratischen politiker benutzen, und verwischt so den unterschied. wenn sie schlau wären, würden sie die sprache einfach bloßstellen und eine parodie auf den ganzen zirkus veranstalten. aber zu einer guten parodie sind die holzköpfe zum glück nicht fähig. dafür sind sie (noch) zu dumm.

fazit: die politiker sollten sich ernsthaft über ihren sprachgebrauch gedanken machen, darüber, wie ihre arbeit durch die sprache an das volk kommuniziert wird. sie sollten wissen, dass die leute immer besser hinter ihre fassade schauen können, dass "schnell, aber ohne hast" einfach bedeutet: "wir haben so eine angst, das wir unsere posten verlieren, dass wir uns lieber erstmal ausruhen und jeden schritt in ruhe kalkulieren". und genau dieses kalkulieren, das kann man vorher machen, in den arbeitsgruppen, in denen einfach mal richtig gearbeitet wird. und dann hat man auch die möglichkeit, das ergebnis richtig zu kommunizieren: entstanden aus richtiger arbeit, und nicht aus kalkül.

 

23.9.06 10:30


konfrontation

das macht wirklich angst... und... verliert einer der polizisten seine waffe auf dem bürgersteig, als sie den nazi überwältigen wollen? zu krass!

http://www.spiegel.de/videoplayer/0,6298,13282,00.html

"Wismar, Mitte August: Eine Demonstration gegen Nazis zieht an einem Laden vorbei, der zur rechtsextremen Szene gehört. Die Situation eskaliert: Die Kurzhaarigen holen Baseball- Schläger hervor. Und die Polizisten greifen zu ihrer Dienstwaffe. Eine Szene aus dem Landtagswahlkampf in Mecklenburg- Vorpommern." spiegel-online

21.9.06 19:22


über die aufgaben von repräsentationspolitikern und eine besser verwendung derselben

"im beisein von premierminister dominique de villepin wurden heute bei chauconin-neufmontiers östlich von paris die letzten gleisteile miteinander verschweißt".

oh krass, was für ein ereigniss! und ich hab' es nicht live im fernsehen gesehen! der premierminister frankreichs war beim zusammenschweißen der letztengleisteile der tgv-verbindung straßburg-paris anwesen, und ich hab's verpasst, ihn zu sehen.

politiker, vorallem die obersten mitglieder einer regierung, haben in der heutigen zeit vorallem repräsentationsaufgaben. merkel schneidet ein band auf der neuen ostseeautobahn durch, wowereit geht auf ne party, und gesundheitsministerin schmidt lässt sich als erste von der neuen herz-lungen-maschine der kreisklinik neustadt an der weinstraße beatmen. für das eigentliche politische tagesgeschäft sind die staatssekretäre und referatsleiter in den ministerien zuständing. nun gut, so ist das nunmal, und so ein theater hat vielleicht sogar einen guten sinn. schließlich müssen die ideen der regierung den verschiedensten leuten nahe gebracht und erklärt werden. das erscheinen eines politikers bei einer veranstaltung hebt das ansehen derselben um ein vielfaches, wodurch die politik ihre unterstützung signalisieren will. ja, wir stehen hinter euch! macht weiter so. oder: gut gemacht.

doch irgendwie wird man den eindruck nicht los, dass es nicht die politiker sind, die ihre ideen vermitteln wollen, sondern dass es die wirtschaft ist, welche den politikern sagt, welche idee sie haben sollen. wenn die obersten mitglieder einer regierung etwas daran ändern wollen - ohne aber als konsequenz den ganzen tag beschäftigungslos in ihrem büro zu versauern, weil die repräsentationsaufgaben dann wegfallen und eine fachliche arbeit aufgrund der nicht vorhandenen qualifikation für das bestimmte fachgebiet nicht möglich ist - wenn diese regierungsmitglieder etwas ändern wollen, dann sollen sie doch mehr in die jugendclubs gehen, in einfache betriebe, einen tag bei der stadtreinigung mit anpacken und den leuten dort zeigen: wir stehen hinter euch. und das am besten ohne den begleittross der politikjournalisten. die repräsentationspolitiker sollen sich nicht selbst repräsentieren, sondern ihr amt. und durch ihr amt den menschen zeigen: die verantwortlichen in diesem land stehen hinter euch, und wir machen uns auch die hände mit euch schmutzig. wir packen mit an! wir sind selbstbewusst und machen das, was uns richtig und ehrlich erscheint.

soll der premierminister frankreichs ruhig beim verschweißen der bahngleise zuschauen, doch wie für alle menschen gilt, dass er sich hätte überlegen sollen, ob man mit diesem tag nicht etwas besseres hätte anfangen können.

20.9.06 19:19


rede von ahmadinedschad vor der un-vollversammlung und die illusions des wissens

das ist bezeichnend für die heutigen medien, dass kein einziger deutscher sender (außer euronews) die rede von ahmadinedschad live übertragen hat. auf ard und zdf kommen die filme der nacht und beim internetportal spiegel-online liegen die redakteure schon längst im bett, als dass sie ihre website aktuallsieren. die fernsehsender strukturieren ihr programm zu einem themenabend für kürzlich verstorbene schauspieler um, aber von der politik und der gestaltung der welt, von der sie tagsüber und bei christiansen so viel sprechen, ist zu einem aktuellen anlass nichts zu sehen.


auf der einen seite bringt man ein special zur präsidentschaftswahl in den usa oder zur oscarverleihung, auf der anderen seite verzichtet man auf ausführliche übertragungen von aktuellen politischen ereignissen. es muss doch ausführlicher informiert werden, will man dem anspruch einer politischen bildung der bevölkerung gerecht werden! man sieht ja schon an den ereignissen nach der umstrittenen past-rede in der uni regensburg, was passiert, wenn leute nur aus dem kontext herausgerissene information erhalten.

und so funktioniert der ganze meinungsbildungsprozess in unserer heutigen zeit. es wird nicht das wissen zur verfügung gestellt, was man benötigt, um wirklich wissen zu können. es ist nur eine illusions, dieses wissen, das wir glauben, zu besitzen. wir konstruieren uns ein stimmiges bild aus dem kläglich vorhandenem zusammen, um die welt verstehen zu können. doch wir glauben nur, zu verstehen.

was immer ahmadenidschad bei der un gesagt hat, ob man dem zustimmt oder nicht: wenigstens wissen sollten wir, was er gesagt hat. wir sollten die ganze rede gehört haben und erst dann deren inhalt mit anderen inhalten aus ganz-gehörtem in verbindung setzten. dann ist man echtem wissen schon viel näher.

 

20.9.06 02:29


merkel taucht ab


unsere bundeskanzlerin bei einem truppenbesuch auf einem u-boot in warnemünde. hier hat die protokollabteilung wohl einiges vergeigt: warum lässt man die kanzlerin ein u-boot hinabsteigen? haben die im kanzleramt keine ahnung, was für bilder da entstehen? :-) mich würde es nicht wundern, wenn gerade jetzt nach den wahlen in meckpom und berlin dieses foto durch die presse gehen würde. und das zweite bild? warum lässt man tornado-kampfjets über die frisch frisierte merkel fliegen? und der sich die ohren zuhaltende kapitän.... der kann doch für alles mögliche stehen: das volk, die partei... vielleicht hat ja ein praktikant diese reise nach warnemünde vorbereitet. ihm sei es verziehen, dafür sind die fotos zu lustig!
19.9.06 15:51


[erste Seite] [eine Seite zurück]

Gratis bloggen bei
myblog.de